Realbillys Murmeltiertexte

Nachts sind alle Tasten grau.

Archive for November, 2006

Retrospective 1989 oder “Eleven-Nine”

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Hey, heute ist der 9. November und es jährt sich, gefühlt zum fünfzigsten aber real zum siebzehnten Mal der Tag, an dem Mister Schabowski die Mauer quasi mit dem Hintern im vorbeigehen (“Huch!”) einriss. In diesen Tagen sind die Medien wieder voll von Rückbesinnung – die beiden anderen schicksalshaften Ereignisse des deutschen 9. Novembers (Republikausrufung 1918 und Reichskristallnacht 1938) gehen dabei irgendwie immer bisschen unter. Jedenfalls ist es auch für mich Zeit der Erinnerung wie das damals war im heißen Herbst 1989.

In diesem Herbst 1989 hatte ich das schwere Los eines Erstsemesters an der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig begonnen, welches mit Apfelernte, Marxismus-Leninismus-Vorlesungen und Arbeitseinsätzen zum 7. Oktober (dem 40. Jahrestag der DDR) begann. Naja, was sollte man auch sonst tun – Sonnenstudios gabs nicht, Shoppen gehen war nicht so ergiebig und Autoputzen war ohne Auto auch eher ineffektiv.

Leipzig war im Frühherbst ´89 kalt und versmogt (heute sind viele da versnobt). Ich erinnere mich an quietschende Straßenbahnen, abrissreife leerstehende Gründerzeithäuser und dieses ewige orangene Licht der Straßenbeleuchtung, das gegen den Smog-Nebel ankämpfte. Aber es war schön. Und es kamen neue Eindrücke: LKW´s voller Bereitschaftspolizisten mit Helm und Schild in Nebenstraßen im Zentrum, über zwei Stunden ins Wohnheim laufen weil Montagabend demobedingt keine Straßenbahn mehr fuhr, thermokopierte Zettelchen mit Forderungen oppositioneller Gruppen und eine Studentenparty bei der laut aus dem “Neuen Deutschland” (dem Zentralorgan der SED) vorgelesen wurde. Und alle lachten über die Mentholzigarettenstory.

Dann begann sich alles rasant in seine Bestandteile aufzulösen. Kurzzeitige Gegenbewegungen wie die Unterschriftensammlung “Für unser Land” oder von alkoholisierten Deutschland-Fans mit Schlägen bedrohte pro-DDR-Gruppen innerhalb der Montagsdemos gerieten in den unaufhaltsamen Sog der Geschichte und ein dicker Kanzler deckte sie mit ebenjenem Mantel zu.

Schabowskis Zettelchen war dann nur noch ein kleiner Akt – sozusagen das i-Tüpfelchen auf dem Haufen – der früher oder später sowieso geschehen wäre, in diesem Falle war es dann wohl früher. Mir schien es damals egal, wann da irgendwelche Grenzen, die ich höchstens aus dem Atlas kannte, geöffnet wurden. Viel aufregender fand ich die Entwicklungen innerhalb des Landes. Die erste Fahrt in den “Westen” zeigte dann oft peinliche Landsleute und einen bunten Intershop, der die Dimensionen eines ganzen Landes einnahm. Spalierstehende Einheimische steckten den Einreisenden jubelnd und applaudierend Bananen zu. Zuhause staute sich die Schlange bis zum über 30 km entfernten Grenzübergang. Tankstellen wurden belagert und leergesaugt ….

Aber es war – um mal eine aktuelle Band, für die DDR maximal die Bezeichnung eines Speicherchips ist zu zitieren “Eine geile Zeit.”

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Written by Realbilly

November 9th, 2006 at 8:03 pm

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Frau Krawuttke zieht Luft

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Der Herbstwind blies die zusammengefegten Blätter beleuchtet von der Nachmittagssonne wieder an ihre Ausgangsorte. Ich stand unschlüssig mit meinem Besen daneben und schaute zu.

Als Frau Krawuttke aus dem Fenster grinsend meinte: “Na?! Mit der Straße dran?” In Anbetracht der Situation konnte dieses Grinsen ja nur debil oder hämisch gewesen sein. Ich verkniff mir ein “Nein, ich studiere die atmosphärischen Strömungsverhältnisse im Herbst anhand von Laubfluktuation.” und sagte stattdessen: “Ja.” Im Zuge des üblichen gesundheitlichen Smalltalks erfuhr ich, dass sie nun 12 Stunden am Tag Sauerstoff bekommt und in den nächsten Tagen die Flasche ausgetauscht wird, weil sie pro Stunde drei Liter verbraucht, während die Flasche 32 Liter fasst. Na, da wirds aber auch Zeit!, dachte ich und unterdrückte mein dringendes Bedürfnis arithmetisch nachzuhaken.

Während ich nach meiner Post schaute und wieder einmal erstaunt war, welche Unmengen nutzloses Papier so ein Briefkasten fasst, steckte sich Frau Krawuttke eine neue Zigarette an …

Später räumte ich meine Strömungsforschungsutensilien weg und sah sie zu ihrem Briefkasten schlurfen: “Muss ich doch auch mal nach meiner Post sehen … ach, ganz leer. Oh – hm, hm, hm … Naja, ich habe ja auch Mittag erst nachgesehen.”

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Written by Realbilly

November 5th, 2006 at 3:55 am

Posted in Frau Krawuttke

Geschützt: Entwicklungsbericht 2005/06

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Written by Realbilly

November 4th, 2006 at 4:44 pm

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Die Krawuttke-WG und Mister Wong

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mdr-Fernsehen. Der quirlige Lokalreporter, der Ahnungslosigkeit immer fast zu gut zu spielen pflegt, besucht eine Senioren-WG inmitten eines Neubaugebietes. Ich erwartete am Klingelschild “A. – Z. Krawuttke” zu lesen, aber das wurde nicht gezeigt.

Der Fahrstuhl im Haus fährt direkt bis in die WG, an den Zimmertüren hängen Namensschilder mit Strick befestigt. Leicht austauschbar, wie das bei Senioren-WG´s wohl ganz praktisch und üblich ist. Im Aufenthaltsraum sitzen zwei ältere Menschen und ein jüngerer Mensch, der sich als Sozialarbeiter entpuppt. Auf die Frage, ob in der WG jeder in seinem Zimmer hockt oder auch mal was zusammen gemacht wird antwortet der ältere Herr erwartungsgemäß: “Jooo, neee … also …”, und fährt fort, “… wir sitzen schon auch hier zusammen und spielen Mensch-ärgere-dich-nicht oder Kanaster oder Rommé …” Eine Art Frau Krawuttke sitzt dabei neben ihm und blickt virtuos unbeteiligt drein. Vor meinem geistigen Auge entsteht eine fröhliche Runde aus ca. vier bis acht Senioren ins Gesellschaftsspiel vertieft …

Und weiter gehts in die Küche mit den vertikal fahrbaren Hängeschränken. Der Moderator demonstriert, dass man die nicht zum Kokosnussknacken einsetzen kann, indem er seinen Moderatorenkopf unter den herabfahrenden Schrank klemmt und darauf wartet, dass die Sperre einrastet. Ohne Rücksicht auf den Unterhaltungswert tut sie das auch.

Dann gehts in den nächsten Raum, wo Waschmaschine und Geschirrspüler stehen. “Die dürfen die Bewohner kostenlos benutzen”, erklärt der Sozialarbeiter, “auch der Dritte, der demnächst hier einziehen wird.” Wir erinnern uns an Mensch-ärgere-dich-nicht und Kanaster, das zu zweit sicher einen Heidenspaß macht.

Zum Abschluss wird die (Not)Rufeinrichtung demonstriert. Man drückt auf den Knopf der Sprecheinrichtung und bestellt einen Klempner oder eine Pizza oder beides. “Wenn gedrückt wird und niemand etwas sagt”, meint der Moderator, “wird automatisch ein Arzt geschickt und die Eltern informiert … äääh … die Geschwister oder … öööh ….”

Dramaturgisch kontrastreich nun noch etwas sinnvolles: Ich habe letztens Mister Wong getroffen. Kennt ihn wer?
www.mister-wong.de
Das ist ein Social-Bookmarking-Dienst ähnlich dem englischsprachigen
del.icio.us
nur in deutsch eben.

Das ganze hat zwei Vorteile: Man hat seine Bookmarks immer und überall und man kann mal schauen, wo die anderen so rumsurfen.

So, genug jetzt – bis dann!

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Written by Realbilly

November 2nd, 2006 at 11:44 pm