Realbillys Murmeltiertexte

Nachts sind alle Tasten grau.

Archive for März, 2008

Ich bin Eule – aber sowas von!

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Am 22. März erschien in Spiegel-Online ein neuerlicher Artikel zur Eulen-Lerchen-Problematik:

Link: Trost für Eulen und Lerchen

Danach ist es genetisch vorbestimmt, ob man zu Früh- oder Spätaufstehern gehört. Letztere sind wiederum Lang-Schläfer, was gemein(hin) mit Viel-Schläfern verwechselt wird. Mittels eines einfachen Hauttestes ist der Gentyp zweifelsfrei nachweisbar …

Ich brauche den Hauttest nicht, weil ich unverkennbar und durch und durch Eule bin. Schlecht ist nur, dass die Lerchen auf der moralisch überlegenen Seite flattern. Dies resultiert aus archaischen Traditionen, als es noch keine Glühlampen gab und der Mensch den Beginn seines Tagwerkes danach ausrichtete, wann das Nutzvieh zu frühstücken geruhte. “Der frühe Vogel fängt den Wurm!” – Was aber, wenn der Vogel im Morgengrauen noch an völliger Appetitlosigkeit leidet? Ganz abgesehen davon ist ein sich ringelnder Wurm auf dem knusprigen Frühstücksbrötchen auch nicht gerade das Nonplusultra um den Tag zu beginnen.

Der Spiegel bezeichnet den werktäglichen Zustand der Eulen als “sozialen Jetlag”. Ich kumuliere mein Schlafdefizit an jedem Wochentag um mindestens drei Stunden. Da reicht kein Wochenende um das wieder auszugleichen. Versucht man es trotzdem, sind die Lerchen schnell herbeigeflogen und tirilieren etwas von “Faulpelz” und “Schlafmütze”. Das grenzt an biorhythmischen Rassismus!

Bei den Lerchen umfasst ein Tag auf der inneren Uhr weniger als 24 Stunden, bei den Eulen 24+X. Ich versuche seit Jahren mir dieses X abzugewöhnen, es bleibt statisch und wehrt sich vehement mit aller Macht meiner Gene, frei nach Shakespeare: “Es siegt die Nachtigall und nicht die Lerche.”

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Written by Realbilly

März 25th, 2008 at 9:22 pm

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Frau Krawuttke trainiert meine Nerven

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Die Kindheit ist ein paar Tage vorüber, die Haare werden grau, der Bauch gerät außer Kontrolle und mit den Frauen läuft es auch nicht mehr so richtig. Es muss also unbedingt etwas getan werden. Und da es laut dem römischen Schreiberling Juvenal einen gesunden Geist in einem gesunden Körper zu wohnen gelüstet, ist genau hier mein Ansatz …

Heutzutage gibt es da ja einiges an Möglichkeiten sich dem allgemeinen Fitness- und Wellness-Wahn hinzugeben. Das simpelste ist sicherlich eine Diät, die aber ganz fix in komplizierteste Nähr- und Energiewertberechnungen ausarten kann, die selbst einem Abiturienten die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Also dann lieber Sport – das geht ganz ohne aufwändige Rechnerei, wenn man nicht gerade Eiskunst läuft und dabei Jurybewertungen oder Siebenkampf betreibt und dabei erreichte Punktezahlen addieren muss. Mein Favorit hierbei ist das Joggen – das hat den ganz kleinen Nachtteil, dass es nur Outdoor betrieben werden kann und man als relativ unsportlicher Mensch dabei nicht die Top-Figur macht. Kurz erwägte ich Nacht-Jogging, verwarf die Idee aber sehr schnell wieder.

Vielleicht reichen ja auch einfach Heidis fettfreie Joghurt-Gums zum abnehmen, die sind lecker und keiner schaut zu. Täglich eine Tüte Joghurt-Gums …. hmmm … und man hat in einem guten Jahr das Geld für einen guten Crosstrainer verfressen. Also muss so ein Gerät her. Nach zwei Tüten Joghurt-Gums hatte ich recherchiert und online bestellt.

Heute kam das Gerät, ein unhandlicher Karton mit gefühlten 100 kg Inhalt. Zu gern wüsste ich, wie der Postbote das transportiert hat. Aber ich war nicht zu Hause und so fand ich heimkommend den Karton friedlich auf der Kellertreppe. Ähnlich wie eine Ameise in einer Trickfilmsequenz, die ächzend ein Vielfaches ihres Körpergewichtes schleppt, versuchte ich das Paket in meine Wohnung im ersten Stock zu transportieren. Als es mir das zweite Mal auf den Fuß gefallen und die mühsam hochgewuchteten Treppenmeter wieder heruntergepoltert war, wurde mir eines klar: Ich brauche gar keinen Crosstrainer, es reicht ein großes Postpaket und meine Treppe.

Polternd und schimpfend wieder im Keller angelangt öffnete ich die Verpackung um die Teile einzeln zur Mitarbeit zu bewegen als ich Schritte hörte. Hinter mir stand natürlich Frau Krawuttke und sah mir beim auspacken zu. “Ist das so ein Heimtrainer zum Fahrradfahren?” Ich erklärte ihr wie ein Crosstrainer funktioniert, während ich mir Gedanken über das weitere logistische Vorgehen machte. Da meinte Frau Krawuttke, dass ihr Mann daheim sei und das ganze mit mir tragen könnte. Nun, Herr Krawuttke hat schon einige Sommer ins Land gehen sehen und ich war mir nicht hunderttprozentig sicher, ob meine Haftpflichtversicherung auch Witwenrenten bezahlt. “Nein, nein! Vielen Dank, aber ich hab wirklich alles perfekt im Griff.”

“Na gut”, Frau Krawuttke schaute skeptisch zu, wie ich das größte Teil des Trainers anhob: “Wissen Sie, mein Mann hört jetzt Schallplatten.” – Ich schaute auf: “?!?” – “Ja, wir haben früher immer in unserer Jugend das Peter-Hertwig-Quintett gehört und jedes Wochenende getanzt. Kennen Sie das Peter-Hertwig-Quintett?” Ich ließ fast meine Last fallen: “Frau Krawuttke, es tut mir leid, aber ich höre eigentlich völlig andere Musik.” Von diesem Quintett hatte ich noch nie etwas gehört und werde es hoffentlich auch nie hören müssen. Enttäuscht grummelte sie: “Lassen Sie mich nur schnell erzählen: Wir trinken jetzt nachmittags immer ein Tässchen Tee und hören Schallplatten des Peter-Hertwig-Quintetts dazu.” Frau Krawuttke kicherte als hätte sie den Witz des Jahrhunderts gerissen.

Und ich wollte nachmittags einfach nur diesen Crosstrainer in meine Wohnung bekommen! Ohne verdammten Tee und Schallplatten!! Und möglichst auch ohne Frau Krawuttke.

“Ja, früher waren wir kaum zu Hause und jetzt hören wir zu Hause Schallplatten – wenn uns das damals jemand gesagt hätte …” Das Kichern nahm kein Ende …

Irgendwie habe ich den Crosstrainer jetzt doch hier und Frau Krawuttke lebt auch noch.

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Written by Realbilly

März 17th, 2008 at 7:56 pm

Posted in Frau Krawuttke