Realbillys Murmeltiertexte

Nachts sind alle Tasten grau.

Archive for the ‘Frau Krawuttke’ Category

Frau Krawuttke möchte ein Telefon

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Helau und Alaaf, allerorten ist wieder Karneval. Alle halbwegs guten und vor allem schlechten Witze, die man über das Jahr und vorzugsweise auch schon vor Jahrzehnten gehört hat, werden in Büttenreden verbraten, garniert mit Täätää und tanzenden Cheerleadern in militärischem Outfit und Gehabe, Lachen auf Anweisung. Und Verkleiden ist doch eher was für die Kids.

Karneval auch bei der Telekom, und eigentlich begann alles mehr oder minder harmlos:

Eines Tages klingelte Frau Krawuttke bei mir und erzählte, dass sie nun gern einen Telefonanschluss und dazu ein paar Fragen hätte, die ich doch sicherlich … und ob ich nicht schnell einmal mitkommen könnte, Herr Krawuttke würde dazu auch noch ganz gern dies oder jenes wissen. Bei Krawuttkes angekommen, suchte sie ersteinmal ihre 2-Zimmer-Wohnung nach ihrem Mann ab bis sie ihn im stockdunklen Wohnzimmer alles andere als zivilisiert bekleidet auf dem Sofa fand. Absprachen gehören wohl eher nicht zum Repertoire dieser Eheleute dachte ich so, während Herr Krawuttke fieberhaft bemüht war, der Situation Herr zu werden.

Er erzählte mir dann, dass man beschlossen hatte, siebzehn Jahre nach der Wende und der damit verbundenen telefontechnischen Revolution einen solchen Anschluss zu beantragen. Den ersten, wohl wichtigsten Schritt, hatte er schon unternommen: Die Anschaffung des Telefonapparates. Ich erwartete nun einen mit Kurbel und getrennter Hör- und Sprechmuschel, aber nein: ein schnurloses Gerät sollte es sein. Allerdings eine Sonderausführung, die darin bestand, das Gerät chamäleonartig an die selbstgestrichenen Möbel anzupassen: rot. Ok, wenn schon keine Kurbel, dann eben so etwas! Der zweite Schritt – so stellte sich Herr Krawuttke vor- wäre dann der Weg zur Post …, worauf ich ihn unterbrach und darauf hinwies, dass die Post erstens mit Telefonen nichts mehr am Hut habe und wir zweitens im Ort nur noch eine Art Servicepoint besitzen, welcher den Namen Postamt beim besten Willen nicht mehr verdient. Ich bot dann an, den Krawuttkeschen Anschluss online zu beauftragen – ein überaus fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Gesagt, getan. Auf der Website der Telekom wandelte ich durch deren Shopsystem und packte einen Neuanschluss in den Einkaufskorb. An der Kasse angekommen wurden die Daten des zukünftigen Anschlussinhabers abgefragt, inklusive einer Telefonnummer für eventuelle Rückfragen. Hier gab ich ganz hilfsbereit meine an (der fatalste Fehler überhaupt) und schickte alles ab. Nachdem ich den Krawuttkes Vollzug gemeldet hatte warteten wir …

… ca. 2 Wochen. Da klingelte mein Telefon und ein Servicetechniker des rosa Riesen war in der Leitung. Er teilte mir pflichtbewusst mit, dass er eben dabei wäre, meinen ISDN- und DSL-Anschluss abzuschalten und einen Analoganschluss ohne DSL aufzuschalten. Ich fiel aus allen Wolken, was der Techniker sofort nachvollziehen konnte, da es ihm auch unlogisch erschien. Genau aus diesem Grund wollte er sich auch rückversichern und hatte angerufen. Nachdem ich so ausschließen konnte, irgendeiner Telefonverarsche aufzusitzen, dankte ich der Macht, die ihn zu diesem Anruf bewogen haben könnte und wir einigten uns, alles beim alten zu belassen.

Am Abend kam dann Frau Krawuttke und zeigte mir freudestrahlend ihren Telekom-Bescheid mit ihrer neuen Telefonnummer, sie sei nur etwas verwundert, dass noch nichts funktioniere. Als ich da auf dem Schreiben meine Nummer entdeckte, dämmerte es mir, dass ich Stunden zuvor mit dem Techniker eben dafür gesorgt hatte. Die Telekom rechnet nicht damit, dass jemand, der einen Neuanschluss beantragt, noch gar keinen Telefonanschluss haben könnte und geht davon aus, dass die angebenene Rückrufnummer natürlich dessen Anschlussnummer ist. Milchglasklar! Also begab ich mich in die Warteschleife der Telekom und erreichte endlich eine Mitarbeiterin, die nun nachvollzog, dass mein kompletter Telefonanschluss an Frau Krawuttke übertragen worden war. Ihre Erklärung dafür klang etwa so: “… also ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber gerade bei der Onlinebeantragung werden durch die Kunden doch mal Dinge fehlerhaft ausgefüllt …” Aaaaaaarghhh! Gleichzeitig gab sie zu bedenken, dass so eine Prozesur in der Regel ohne Schufa-Prüfung und eigenhändige Unterschriften der Beteiligten unmöglich wäre. – Aber die Telekom macht alles möglich! Sie stornierte die Übetragung mit Dringlichkeitsvermerk, konnte mir aber nicht versprechen, dass dies die gewünschte Wirkung zeigen wird, da die Prozedur in den Händen der lokalen Geschäftstelle liegt. Diese solle ich nun anrufen, aber eine Nummer konnte sie mir nicht geben. Stattdessen ist wieder die bundeseinheitliche Hotline zu bemühen in der Hoffnung am richtigen Platz zu landen.

Selbstverständlich landete ich nicht bei der zuständigen Geschäftstelle, stattdessen bei einem Mitarbeiter, der sich zu den Äußerungen “Welche Plinse hat denn den Antrag bearbeitet?!! Das muss ein Analphabet gewesen sein!” hinreißen ließ. Er bestätigte mir wieder, dass diese Übetragungsprozedur im Normalfall ausgeschlossen sei, mein Anschluss im Moment aber auf Frau Krawuttke laute.

Der vorläufige Höhepunkt: Wenn ich jetzt online die Kundendaten meines Anschlusses bei der T-Kom abfrage, steht dort Frau + mein (männlicher) Vorname + Krawuttke.

Helau, liebe Telekom! – Und übrigens: Falls ich es schaffen sollte meinen Anschluss wieder in den ursprünglichen Vertragszustand zu versetzen, haben Krawuttkes immernoch keinen Telefonanschluss.

Falls es Interessenten gibt, werde ich später über den Fortgang der Geschichte berichten.

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Written by Realbilly

Februar 10th, 2007 at 10:15 pm

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Frau Krawuttke zieht Luft

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Der Herbstwind blies die zusammengefegten Blätter beleuchtet von der Nachmittagssonne wieder an ihre Ausgangsorte. Ich stand unschlüssig mit meinem Besen daneben und schaute zu.

Als Frau Krawuttke aus dem Fenster grinsend meinte: “Na?! Mit der Straße dran?” In Anbetracht der Situation konnte dieses Grinsen ja nur debil oder hämisch gewesen sein. Ich verkniff mir ein “Nein, ich studiere die atmosphärischen Strömungsverhältnisse im Herbst anhand von Laubfluktuation.” und sagte stattdessen: “Ja.” Im Zuge des üblichen gesundheitlichen Smalltalks erfuhr ich, dass sie nun 12 Stunden am Tag Sauerstoff bekommt und in den nächsten Tagen die Flasche ausgetauscht wird, weil sie pro Stunde drei Liter verbraucht, während die Flasche 32 Liter fasst. Na, da wirds aber auch Zeit!, dachte ich und unterdrückte mein dringendes Bedürfnis arithmetisch nachzuhaken.

Während ich nach meiner Post schaute und wieder einmal erstaunt war, welche Unmengen nutzloses Papier so ein Briefkasten fasst, steckte sich Frau Krawuttke eine neue Zigarette an …

Später räumte ich meine Strömungsforschungsutensilien weg und sah sie zu ihrem Briefkasten schlurfen: “Muss ich doch auch mal nach meiner Post sehen … ach, ganz leer. Oh – hm, hm, hm … Naja, ich habe ja auch Mittag erst nachgesehen.”

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Written by Realbilly

November 5th, 2006 at 3:55 am

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Die Krawuttke-WG und Mister Wong

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mdr-Fernsehen. Der quirlige Lokalreporter, der Ahnungslosigkeit immer fast zu gut zu spielen pflegt, besucht eine Senioren-WG inmitten eines Neubaugebietes. Ich erwartete am Klingelschild “A. – Z. Krawuttke” zu lesen, aber das wurde nicht gezeigt.

Der Fahrstuhl im Haus fährt direkt bis in die WG, an den Zimmertüren hängen Namensschilder mit Strick befestigt. Leicht austauschbar, wie das bei Senioren-WG´s wohl ganz praktisch und üblich ist. Im Aufenthaltsraum sitzen zwei ältere Menschen und ein jüngerer Mensch, der sich als Sozialarbeiter entpuppt. Auf die Frage, ob in der WG jeder in seinem Zimmer hockt oder auch mal was zusammen gemacht wird antwortet der ältere Herr erwartungsgemäß: “Jooo, neee … also …”, und fährt fort, “… wir sitzen schon auch hier zusammen und spielen Mensch-ärgere-dich-nicht oder Kanaster oder Rommé …” Eine Art Frau Krawuttke sitzt dabei neben ihm und blickt virtuos unbeteiligt drein. Vor meinem geistigen Auge entsteht eine fröhliche Runde aus ca. vier bis acht Senioren ins Gesellschaftsspiel vertieft …

Und weiter gehts in die Küche mit den vertikal fahrbaren Hängeschränken. Der Moderator demonstriert, dass man die nicht zum Kokosnussknacken einsetzen kann, indem er seinen Moderatorenkopf unter den herabfahrenden Schrank klemmt und darauf wartet, dass die Sperre einrastet. Ohne Rücksicht auf den Unterhaltungswert tut sie das auch.

Dann gehts in den nächsten Raum, wo Waschmaschine und Geschirrspüler stehen. “Die dürfen die Bewohner kostenlos benutzen”, erklärt der Sozialarbeiter, “auch der Dritte, der demnächst hier einziehen wird.” Wir erinnern uns an Mensch-ärgere-dich-nicht und Kanaster, das zu zweit sicher einen Heidenspaß macht.

Zum Abschluss wird die (Not)Rufeinrichtung demonstriert. Man drückt auf den Knopf der Sprecheinrichtung und bestellt einen Klempner oder eine Pizza oder beides. “Wenn gedrückt wird und niemand etwas sagt”, meint der Moderator, “wird automatisch ein Arzt geschickt und die Eltern informiert … äääh … die Geschwister oder … öööh ….”

Dramaturgisch kontrastreich nun noch etwas sinnvolles: Ich habe letztens Mister Wong getroffen. Kennt ihn wer?
www.mister-wong.de
Das ist ein Social-Bookmarking-Dienst ähnlich dem englischsprachigen
del.icio.us
nur in deutsch eben.

Das ganze hat zwei Vorteile: Man hat seine Bookmarks immer und überall und man kann mal schauen, wo die anderen so rumsurfen.

So, genug jetzt – bis dann!

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Written by Realbilly

November 2nd, 2006 at 11:44 pm

Der große Blackout

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Gestern war ein Abend wie so oft. Im heimeligen Licht meiner Schreibtischlampe telefonierte ich, zusätzlich beleuchtet von den Emissionen meines PC-Displays, der Lüfter meines PC surrte leise und der Fernseher lief. Plötzlich änderten sich diese Gegebenheiten schlagartig: Der Fernseher wurde dunkel und stumm, die Schreibtischlampe mochte genau wie der Monitor nichts mehr emittieren und das beruhigende Surren des PC-Lüfters war einer erschreckenden Stille gewichen, die nur durch meine telefonierende Stimme dramaturgisch etwas aufgelockert wurde. Diese Dramaturgie gestattete es mir auch nicht, mich in meinem Telefonat von ein paar Geräten stören zu lassen, die plötzlich den Dienst quittierten. Bis mir auffiel, dass mein Gegenüber nicht mehr antwortete. Eine der Segnungen von ISDN-Leitungen ist ja, dass diese bei mangelnder Stormversorgung keinerlei Kommunikation der Inhaber unterstützen. Und da war er – der gefürchtete

große Blackout!
Wir erinnern uns z. B. an den großen Stromausfall in New York am 13.08.1977 um meine Lage zu verdeutlichen!

Ok, ich saß in keinem Fahrstuhl fest. Und musste auch keine 6 Stunden auf der letzten Stufe einer Rolltreppe ausharren, aber ich befand mich immerhin inmitten gähnender Dunkelheit und völlig atemloser Stille, abgeschnitten von jedweder Zivilisation.

Normale Durchschnittsbürger machen in solch einer Situation Dinge, für die sie sonst keine Zeit haben: zum Beispiel ungefähr neun Monate später die lokale Geburtenrate in die Höhe schnellen lassen. Ich aber …

… suchte erstmal nach meiner Taschenlampe. Dunkel (was für ein Wortspiel!) konnte ich mich daran erinnern, dass meine Nichte anlässlich eines Besuches hier die Taschenlampe als Spielzeug konfiszierte – ich konnte mich aber überhaupt nicht entsinnen (noch nicht einmal dunkel), wo sie letztendlich abgeblieben war. Die Taschenlampe!

Zum Glück hatte ich noch den letzten Rest Zivilisation – mein Handy mit dem großen beleuchteten Display – griffbereit und konnte damit umherleuchten bis ich die Taschenlampe gefunden hatten. Die ersten New Yorker wären in dem Moment sicher schon bei der “Zigarette danach” gewesen, aber da ich sowieso nicht rauche, schaltete ich erst einmal die Lampe ein und suchte weiter nach Kerzen, die alsbald das Zimmer in ein gemütliches Flackern tauchten. Nun da ich wieder nach Sicht laufen konnte, fand ich auch meinen Balkon.

Unten auf dem Gehweg hörte ich Frau Krawuttke berichten, dass man beim örtlichen Stromanbieter angerufen und wichtige Informationen erhalten habe. “Der Strom wird in paar Minuten oder ner Stunde oder heute nicht mehr wiederkommen.” Ja, derartige Auskünfte schaffen Vertrauen! … zumindest bei Frau Krawuttke. Die machte gleich noch eine phäomenale Entdeckung: “Daaa, beim R. [das bin ich - der Verf.] flackert es, der hat noch Licht!”

Vielleicht hätte ich den Salzstein mit dem flackernden Teelicht doch mal vom Balkon werfen sollen.

Epilog: Der große Blackout dauerte eine Stunde, Menschen kamen nicht zu Schaden. Meine materiellen Einbußen beliefen sich auf zwei Teelichter.

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Written by Realbilly

August 18th, 2006 at 9:21 pm

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Hilfe, ich habe Frau Krawuttkes Schwester gesehen!

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Heute war Stadtfest. Grund genug für mich arbeiten zu gehen – eine Arbeit, die darin besteht, Para-Touristen (weil sie meist nur aus den Nachbarorten kommen) unser historisches Rathaus zu zeigen und nebenbei beim Fest Fotos für das kommunale Archiv zu schießen.

Wegen der Hitze und weil schließlich Sonntag ist düste ich erst auf den letzten Pfiff los. Zugegebenermaßen mache ich es aber immer so. Eilig. – Oh, bisher wusste ich noch gar nicht, was für ein ekstatisches Quitschen Winterreifen bei diesen Temperaturen von sich geben können! Was ich auch nicht wusste, dass ältere Frauen ihre Rollators freihändig über Fußgängerüberwege bekommen. Wenn sie nämlich beide Fäuste zum schütteln brauchen … Naja, hat sie beim nächsten Damenkränzchen zur Abwechslung mal was neues zu erzählen. Im Rückspiegel sah ich sie ihrem davonrollendem Gefährt hinterherhechten. Ob Pflegestufen eigentlich auch wieder aberkannt werden können?

Auf den Parkplatz gequietscht und ab zum Fest. Dort spielte schon eine Blaskapelle und ich konzentrierte meine volle Aufmerksamkeit darauf beim Laufen nicht im Takt der Blasmusik zu bleiben, um ein “Guck mal, der Idiot läuft im Gleichschritt.” zu vermeiden. Wer Karl Moik und Ernst Mosch mit oder ohne Egerländer mal im Stechschritt ins Musikantenstadl einmarschieren gesehen hat, der weiß wovon ich rede …

Die Hitze war mal wieder nur unwesentlich unterhalb der Siedepunkte verschiedener Flüssigkeiten anzusiedeln und so platzierte ich mich im Schatten des Rathauses und beobachtete das Geschehen. Ich hoffe nur, dass kein Bekannter kam und mir ein Bier anbot – ich hätte ihm in dem Moment nur schwer erklären können, dass ich ja gerade arbeite. Dafür lief das Bier andernorts um so besser – oben hinein und …

Ja, wo vermutet man als Auswärtiger als erstes ein WC, wenn man sich auf dem Marktplatz befindet? Richtig, im Rathaus. Ich musste also meine ganze Menschenkenntnis daransetzen, die Besichtigungswilligen von den Verrichtungswilligen zu unterscheiden. Manchmal fiel das in der Tat nicht schwer. Einmal knüpfte ich meine Bereitwilligkeit, den Weg zu den Öffentlichen zu zeigen an das Versprechen, sich hinterher mit mir das Rathaus anzusehen. So war ich über den Nachmittag recht beschäftigt und geschäftig.

Bis sie kam. Ich erklärte gerade Besonderheiten unseres Gemäuers als sie sich vom WC kommend und an ihrem seltsamen Gewand nestelnd zu uns gesellte. Die überschwengliche Aufmerksamkeit, die sie dann an den Tag legte, macht mich in der Regel ja immer stutzig. Und ich wurde nicht enttäuscht: Frau Krawuttke hat eine Schwester! Ich weiß nicht, wie sie heißt und wo sie wohnt, aber ich habe sie gesehen!

Wir schauten uns die Schmetterlingssammlung an, die sich im hiesigen Museum befindet und ich erklärte gerade etwas über den Schöpfer dieser Sammlung, der voriges Jahr verstorben ist als es aus einer Ecke krähte: “Ich habe auch einen Schmetterling gefunden. Soll ich den herbringen?” Gewohnt, dass ein Besucher hin und wieder einen Scherz macht, zumal wenn es eine Besucherin ist, die auch in der DDR beim besten Willen nicht mehr als “Freund der Jugend” im Blauhemd durchgegangen wäre, fuhr ich fort. Ein Unterschied zwischen einem Scherz und einem ernst gemeinten Einwurf ist aber, dass der Scherzende beschämt zu Boden sieht, wenn niemand lacht, während der Ernste sich noch einmal Gehör verschafft. “Ja, der ist tot und liegt vertrocknet hinter meinem Küchenfenster!” Ich versuchte daraufhin der Frau mit wenigen zielgerichteten Worten zu erklären, dass so eine eigene Schmetterlingssammlung in ihrer sicher geschmackvoll eingerichteten Wohnung ganz hübsch sei …

Und was es heute noch gab – Majestäten werden nass gemacht:

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Written by Realbilly

Juli 30th, 2006 at 9:19 pm

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Holland olé, Frau Krawuttke und Migräne

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Frau Krawuttke hat sich vermutlich aufgrund der FIFA-WM oder wegen des Wetters in ihrer Wohnung eingeschlossen und sieht die zweieinunddreißigste Programmschleife im Rosamunde-Pilcher-Kanal. So gibt es nichts neues von ihr, aaaaber …

… ich war mit meiner Nichte heute im Garten. Sie malte mit Wasserfarben, hatte sehr gründlich ihren Pinsel mit orangener Farbe bestückt, abgestrichen, nochmal eingetaucht als plötzlich eine Wespe dahergeflogen kam und meine Nichte sie mit hektischen Bewegungen verscheuchte. Unglücklicherweise mit der Pinselhand. So schnell wie ihr Onkel war noch niemand als Holland-Fan geoutet und gestylt …

Außerdem erzählte sie von einem Besuch im Meerwasseraquarium, wo es eine Migräne gibt, die ganze Arme abbeißt!

Nunja, für die Nicht-Ozeanologen: Das Viech heißt Muräne.

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Written by Realbilly

Juni 11th, 2006 at 9:06 pm

Frau Krawuttke und der Sinn des Lebens

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“Ooooh neee!” werden viele jetzt denken, “Nicht schon wieder Sinn des Lebens!” Aber ich halte entgegen: “Doch!” Und das muss jetzt mal als Argument für die Beschäftigung mit diesem Thema ausreichen.

Für Frau Krawuttke zum Beispiel ist der Sinn ihres Lebens klar: Morgens um sieben aufstehen. Und dann eine habe Stunde später zwischen Haus- uns Wohnungstür pendeln … wahlweise mit oder ohne Reinigungsgerät, aber immer schön kontinuierlich und auf der Lauer nach Gesprächspartnern. Je eiliger sie es haben, desto besser.

Wäre Frau Krawuttke aber beispielsweise Buddhistin, dann bestünde der Sinn ihre Lebens darin, mit einem Plopp ins Nichts zu verschwinden. Wobei das Nichts ja auch eine interessante philosophische Kategorie ist. Vielleicht sollte man ihm auch einen Namen geben … Nirvana klänge ganz gut, oder? Jedenfalls bin ich mir nicht so sicher, wie die anderen Leute dort im Nirvana es finden würden, wenn plötzlich Frau Krawuttke mit ihrem Feudel auftaucht und “Füße abtreten!” schreit. Ganz abgesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass es im Nirvana gar keine Fußabtreter gibt. Und Feudel auch nicht … hm … naja doch … einen. Aber eben nur wenn Frau Krawuttke Buddhistin wäre …

Frau Krawuttke ist aber genausowenig Buddhist wie sie Frau Douglas Adams ist. In “Per Anhalter durch die Galaxis” ist der Sinn des Lebens ja eindeutig definiert: Zweiundvierzig. Vielleicht ist das auch einfach die Summe der Sinne aller Leben und ohne Frau Krawuttkes Lebens-Sinn wäre die Antwort 103, wer weiß das schon.

Für manche ist der Sinn des Lebens mit einem Auto im Kreis herumzufahren und dafür soviel Geld einzustecken, dass man halb Afrika ernähren könnte. Aber der Kreisfahrer sagt “Ätsch!” kauft sich ein Haus und einen Learjet und alle freuen sich darüber. Fast alle. Die Leute in Afrika wahrscheinlich nicht. Und auch nicht die Leute im Nirvana, weil er ja kein Buddhist ist und nicht irgendwann zu ihnen kommt, damit sie ihn mal richtig in seinen Allerwertesten treten können.

Also wir haben gelernt, die Frage nach dem Sinn des Lebens ist recht kompliziert und tiefschürfend, und es lohnt sich allemal darüber nachzudenken. Genauso wie darüber, ob es Sinn macht, dass sich Frau Krawuttke einen schicken, neuen Feudel besorgt, bevor sie ins Nirvana …

… aber davon beim nächsten Mal.

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Written by Realbilly

Mai 16th, 2006 at 9:22 pm

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Frau Krawuttke lauert mir auf

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Als ich heute von der Arbeit kam sah ich sie. An meiner Haustür. Blonde Lockenmähne, blaue Augen, atemberaubender Mini und … es war wieder nur Frau Krawuttke in Kittelschürze, Strickjacke und Hausschluppen. Und sie lauerte …

Krawuttke´schen small-talk, der eigentlich long&boring-talk heißen müsste im Gedächtnis verlangsamte sich mein eben noch zügiger Feierabendschritt doch merklich. Aber Frau Krawuttke, die ihren Berichten zufolge vor lauter Krankheiten eigentlich schon im Koma liegen oder zumindest im Rollstuhl sitzen müsste, blieb tapfer stehen. Vor der Tür. Durch die ich hinein
musste. Zum ersten Mal im Leben beneidete ich Amerika …. und zwar um die Feuerleitern an den Hauswänden. Nun half nur noch Beschäftigung vortäuschen.

Ein hastiges “Guten Tag” murmelnd stürzte ich an meinen Briefkasten, in dem eine Wahlbenachrichtigungskarte lag. Ja, im Mai wird bei uns Landrat und Bürgermeister gewählt – gedankenverloren steckte ich die Karte ein als ich die Stimme der Frau vernahm: “Jaja, wählen sollen wir nun auch noch gehen. Ich werde keinen von diesen Verbrechern wählen – sie nehmen sich die hohen Diäten und uns gehts jetzt schlechter als kurz nach dem Krieg. Ich hab in meinem langen Leben weißgott schon viel mitgemacht, aber das …. die Praxisgebühr wollen sie erhöhen und uns die Renten kürzen … uns Alten wird alles weggenommen … Schlimmer als nach dem Krieg, sag ich!”

Mit einer energischen Bewegung schwang ich mich an der Polemikerin vorbei, aber nicht ohne zu erwähnen, dass Bürgermeister und Landrat meines Wissens mit Praxisgebühr und Rentenkürzung überhaupt nichts zu tun haben. Hier setzte nun punktgenau Frau Krawuttkes Schwerhörigkeit oder beginnende Demenz ein – sie bekam meinen Einwand schlichtweg nicht mit und schwadronierte weiter. Mittlerweile in einem Ton, der mich überlegen ließ, ob mir entgangen war, dass ich an wichtigen Regierungsbeschlüssen beteiligt bin.

Das Schlimme an derartigen Monologen mit diesen Leuten ist immer, dass es Monologe sind … jeder eigene Einwurf wird schlichtweg ignoriert. Selbst wenn ich Frau Krawuttke zugestimmt hätte: “Ja, verdammt! Sie haben recht! Es ist wirklich viel schlimmer als nach dem Krieg. Damals hatten Leute wie Sie besseres zu tun als hier rumzulungern, mir aufzulauern und mir die Zeit mit Polemik und Stammtischparolen zu stehlen! Einen schönen Tag wünsche ich noch!!!”

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Written by Realbilly

April 5th, 2006 at 7:16 pm

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Meisenknödel und Frau Krawuttke im Pfefferkuchenhaus

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Es gibt Zeiten, die gibt es gar nicht. Zum Beispiel jetzt gerade: Da schaue ich durch mein Fenster, den tanzenden Flockenwirbel ignorierend auf die Schar Vögel, die da unten vor dem Haus herumhüpft und von den Körnern nascht und an den Meisenknödeln probiert.

In Zeiten wie diesen interessiert, ob die gefiederten Freunde vergnügt durch die Botanik hüpfen oder aber vielleicht schon etwas niesen, kränkeln oder gar schlimmstenfalls die Füße gen Himmel strecken. Vögel schlafen nämlich nicht auf dem Rücken so wie ich, sie sind dann tot. Gemeuchelt von einer Seuche, deren Namen ich nicht aussprechen mag, wie die Juden den Namen ihres Herrn.

Doch man hat reagiert. Niemand darf mehr seinen zitronengelben Kanarienvogel draußen rumfliegen lassen, selbst Katzen sind von der Stallpflicht betroffen, weil Katzen Vögel sehr mögen. Ich mag Rindfleisch auch und wurde zu BSE-Zeiten nicht eingestallt. Hm, und ich sage immernoch “Guten Tag” statt “Muh” zu Frau Krawuttke.

Frau Krawuttke ist übrigens die Hobby-Ornithologin, die den Busch vor meinem Fenster liebevoll mit Meisenknödeln drapierte und davor wie weiland Gretel, die mit Hänsel im Grünen unterwegs war, Körner verstreute. Manchmal glaube ich, Frau Krawuttke tut dies auch um wieder heimzufinden, denn sie ist schon über 90. Nur passt Frau Krawuttke dann doch nicht richtig zu Hänsel, weil sie im Pfefferkuchenhaus auf eine Art Zwillingsschwester treffen würde … aber ich schweife ab!

Außerdem muss ich wieder ans Fenster, nach den Vögeln sehen.

Und nach Frau Krawuttke, ob sie heimfindet.

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Written by Realbilly

März 1st, 2006 at 8:37 pm

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